Lilo von Kiesenwetter – Die Seherin vom Rhein Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft

Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft Lilo von Kiesenwetter, Deutschlands bekannteste Seherin, verfügt über eine außergewöhnliche Gabe. Allein durch Blickkontakt kann sie in der Vergangenheit ihres Gegenübers lesen, die derzeitige Situation schildern und schließlich die Zukunft voraussagen. Bereits ihr Vorfahre Otto von Kiesenwetter besaß dieses ungewöhnliche Talent. Er war als Hofastrologe des Hauses Hessen Darmstadt tätig und galt im ausgehenden 17. Jahrhundert als der angesehene Berater des europäischen Hochadels.

Im Zentrum von Siegburg bewohnt Lilo von Kiesenwetter ein wunderschön hergerichtetes Fachwerkhaus aus dem 15. Jahrhundert. Von ihrer Mitarbeiterin werde ich in Empfang genommen und nehme im so genannten Wartezimmer Platz. Ich warte einige Minuten, da die vorherige Sitzung noch andauert. So habe ich ungestört Zeit, meinen Blick schweifen zu lassen und die wohltuende Atmosphäre des Hauses aufzunehmen. Die Fotogalerie in der einen Ecke des Raumes ist ziemlich beeindruckend, sie zeigt Lilo mit zahlreicher nationaler und internationaler Prominenz. Ich höre Schritte. Schnell überfliege ich noch einmal meinen Fragenkatalog und schiebe den Zettel dann zwischen die Seiten meines Blocks. Lilo von Kiesenwetter ist nun soweit und nimmt neben mir Platz – es kann losgehen.

 

„Keine typische Esoterik-Tante“

„Das Wartezimmer ist für die Klienten sehr wichtig“, wie sie mir kurze Zeit später erklärt. „Hier können sie sich nach einem stressigen Tag oder einfach nach einer nervigen Parkplatzsuche bei klassischer Musik entspannen. Manchmal kann es halt auch sein, dass vorherige Sitzungen etwas länger dauern.“ Die Klienten werden von ihr im Wartezimmer abgeholt und in das Beratungszimmer geführt. Dort kann die Sitzung beginnen. „Ich stelle meinen Klienten zu Beginn keine Fragen über ihre Vergangenheit, so wie viele andere das tun. In einem großen Kreis, beispielsweise in Talkshows muss ich jedoch wegen der Konzentration einiges erfragen. In einem Studio fällt es naturgemäß etwas schwerer, sich zu konzentrieren. Der Klient zieht zunächst 15 Tarot-Karten, um locker zu werden und um beschäftigt zu sein. So habe ich Zeit, mir mein Gegenüber in Ruhe anzusehen. Mit Tarot habe ich mich nie wirklich beschäftigt, die Karten dienen mir lediglich als schmückendes Beiwerk. Meine Klienten antworten mir dann höchstens noch mit Ja, Nein oder Jein. Die Vergangenheit, Gegenwart und die Zukunft kann ich in Bildern sehen. Sie müssen sich das wie einen Diafilm vorstellen. Ich möchte die Menschen auf ihr Schicksal einstimmen, damit sie besser darauf vorbereitet sind und entsprechend handeln können. Auf keinen Fall möchte ich Schicksal spielen. Ich sage nur Dinge, die ich ganz klar sehe, zum Beispiel wie die Karriere verlaufen wird, ob es zu einer Eheschließung kommt oder ob Kinder geboren werden, aber nicht, ob es ein Junge oder ein Mädchen wird, so wie ich das einmal bei der Familie Klum getan habe. Es kommt auch vor, dass ich Klienten ablehnen muss. Bei manchen Menschen komme ich einfach nicht durch. Wenn ich spüre, dass ein Klient nur bei mir ist, weil er diese Sitzung zum Geburtstag geschenkt bekommen hat, gebe ich ihm sein Geld zurück und sage, er solle damit lieber schick essen gehen. Meine Trefferquote liegt bei 98%. Zeiten und Zahlen liegen mir einfach nicht. Wenn ich die Lottozahlen sehen könnte, dann wäre ich jetzt wo anders. Ich finde nicht, dass ich eine typische Esoterik-Tante bin – ich muss keine Katze auf der Schulter sitzen haben. Diese Beschäftigung übe ich nun schon seit gut 30 Jahren aus. Im Laufe der Jahre habe ich rund 1000 Stammkunden gewinnen können. Die meisten kommen ein Mal jährlich zu einer Beratung zu mir. Ich liebe meine Arbeit und ich liebe die Menschen.“

„Schutz von oben“

„Wer zu meiner Beratung kommt, muss auch stark sein. Alles was ich sehe, gebe ich ohne Interpretation an meine Klienten weiter. Es handelt sich dabei nicht immer nur um Schmeicheleien. Am Schluss einer jeden Sitzung sind alle Frage von mir beantwortet worden, ohne dass diese vorher laut geäußert wurden. Klienten können auch Fotos mitbringen, sie müssen aber mit der gezeigten Person in Kontakt stehen, ansonsten kann ich nicht viel über sie sagen. Geschäftsleute bringen des Öfteren auch Fotos zu einer Sitzung mit und fragen, ob sie dieser Person vertrauen können. Ehepaare berate ich grundsätzlich nur in geschäftlichen Angelegenheiten zusammen. Was mich persönlich betrifft, so sehe ich nichts. Vielleicht ist dies ein Schutz von oben. Allerdings auch schade, es wäre schon gut zu wissen, ob Krankheiten oder böse Briefe vom Finanzamt zu erwarten sind. Meine Familie und Freunde berate ich nie, in dieser Hinsicht bin ich blockiert. Wie könnte ich Menschen, die ich liebe und die mir nahe stehen etwas Negatives sagen?“ Wie gehen Ihre Freunde damit um? „Sie sind sauer!“

Hippie-Zeit

Wie stellt man fest, dass man eine solche Begabung besitzt? „Komisch, diese Frage hat mir noch niemand gestellt. In meiner Studienzeit, ich war Anfang 20, war ich ein Hippie und bin es auch heute noch, auch wenn man mir das nicht unbedingt ansieht. In dieser Zeit hielt ich mich häufig in den USA oder in der Südsee auf. Ständig hatte ich Eingebungen und sah Filme von fremden Leuten vor meinem inneren Auge. Als ich aus USA, Santa Barbara, nach Deutschland zurückkehrte, habe ich begonnen, für 50 DM die Stunde in meiner Küche zu beraten. Ich lebte damals in Rodenkirchen, direkt am Rhein. Daher stammt auch der Name, die Seherin vom Rhein. Meine Familie, vor allem meine Mutter, distanzierte sich auf Grund dieser Fähigkeit von mir. Mein Mann, ein kritischer Journalist und Fotograf, war höchst skeptisch, was meine seherischen Fähigkeiten anbelangte. Er war mein strengster Kritiker und war über mein Tun und Handeln teilweise richtig böse. Doch als mir treue Klienten über die Jahre hinweg Blumen und Geschenke zum Dank schickten, begann seine Skepsis langsam zu bröckeln und heute zählt auch er zu meinen Fans. Während meiner beiden Schwangerschaften ging mein Talent verloren. Dies muss der Freudentag meiner Mutter gewesen sein. Sie kaufte mir sogar die Hälfte eines Pralinenlädchens am Kölner Dom und ich hatte eine schöne Zeit. Eines Tages suchte mich dort jedoch ein ehemaliger Klient aus Wuppertal auf und bat mich, wieder mit der Beratung anzufangen. Insgesamt besuchte er mich acht Mal, dann hatte er mich überzeugt. Schließlich verkaufte ich 1989 die Hälfte des Ladens und1999 zog ich dann nach Siegburg. Finanziell lief es bei mir gut und da ich nur gut beraten kann, wenn ich den Rücken frei habe, wurde ich mit der Zeit immer besser und immer erfolgreicher.“

Lilo von Kiesenwetters Beratung ist in dieser Art einzigartig in Deutschland. Sehr beeindruckt hat mich auch die Tatsache, dass Lilo von Kiesenwetter bis auf zwei Fragen, die ich konkret gestellt habe, alle meine vorbereiteten Fragen von sich aus im Gespräch beantwortet hat.

www.vonkiesenwetter.de

© Reiner Wirtz

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